Kettenöler – warum, welchen, wie geht das?

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Wozu ein Kettenöler?
1. Weil es preiswerter ist, als mit Kettenspray zu arbeiten.
Weißes Kettenspray kostet ca. 10,- Euro für 400ml und reicht für ca.6.000km. Ein sehr guter Kettensatz (z. B. DID ZVM = 165,- Euro bei Selbstmontage der Kette) hat damit eine ca. Laufleistung von 22.000km bei Tourenfahrern. Kosten pro 1.000km = ca. 9,10 Euro. Kettenöl kostet ca. 3,- Euro für ein Liter und reicht für ca. 40.000km. Der gleiche Kettensatz hält über 40.000km. Kosten pro 1.000km = ca. 4,20 Euro.
2. Weil es deutlich bequemer ist.
Kein abendliches Kettensprühen, auch kein Kettenreinigen.

Warum ist das so? Funktionsweise:
Der wesentliche Unterschied zum Kettenspray (=Fett) liegt darin, dass hier mit (Haft-)Öl gearbeitet wird. Kettenfett wird alle 300-500km aufgetragen und klebt dann permanent an der Kette (und Felge). Das Öl beim Kettenöler wird permanent erneuert, je nach System zeit- oder wegstreckenabhängig. Ein Öltank wird (fast egal wo) am Moped befestigt und über eine mechanische oder elektronische Steuerung wird eine Menge Öl gleichmäßig und regelmäßig über einen Schlauch und eine Düse an den Vereinigungspunkt von Kette und Kettenrad gebracht und im Weiteren durch Zentrifugal-/Adhäsionskraft verteilt.
1. Kettenfett wird durch Regenfahrten sehr schnell entfernt. Weitere, nach dem Regen zurückgelegte km verschleißen die nun trocken laufende Kette sehr stark. Kettenöler sorgen hingegen durch die Permanentölung binnen kürzester Zeit wieder für eine optimal geschmierte Kette.
2. Kettenfett bindet auch Schmutz und damit Schmirgelstoffe auf Dauer, dagegen wird durch die Permanentölung der Schmutz nicht gebunden, sondern relativ zügig vom Kettensatz abgeschleudert. (Anmerkung: Trotzdem scheiden sich die Geister, was die Reinigung einer mit Kettenspray gepflegten Kette angeht: Die Berichte aus diesem Forum ergeben nämlich bei regelmäßig gereinigten Ketten nur eine Laufleistung von ca. 15.000km. Die im einschlägigen Zubehörhandel käuflichen Reinigungsmittel sind wohl doch nicht so gut für die O-Ringe, eine günstige Alternative zum Kettenreiniger stellt wohl Petroleum oder Diesel, aufgetragen auf einen Lappen zum Abwischen der Kette bei nicht laufendem Motor und von Hand gedrehtem Hinterrad, dar.)

Die gängigen Kettenöler auf dem Markt:
Neben Eigenbau-Lösungen (Stichwort „RynaOiler“ – oder einfach ein bisschen weiter runter scrollen, wo Ihr die Eigenbaulösung von pioter findet) für sehr schmales Geld, die allerdings ein wenig bastlerisches Geschick erfordern, gibt es unterschiedliche Kettenöler-Systeme auch fertig zu erwerben – nachfolgend eine unvollständige Liste:

Chaintec (HG):
Er sei zur Vollständigkeit erwähnt. Steuerung über Rüttelventil – bleibt permanent geöffnet, solange alle ca. 30 Sekunden eine Bewegung stattfindet. Den Durchfluss dosiert man ebenso auf ca. alle 30 Sekunden einen Tropfen. Häufig kritisch bewertet, was die Funktionalität angeht.
Preis: ~ 60 Euro.

CLS 200:
Elektronisch an / aus. Magnetventilsteuerung über Mikroprozessor. Hochwertige Allroundlösung. Zeitabhäng. Temperaturunabhängig. Es gibt von CLS zwei Systeme, das CLS 200µ und das CLS Speed. Das CLS Speed ist geschwindigkeitsabhängig gesteuert, kostet allerdings 45 Euro mehr als das CLS 200µ.
Öldosierung: Zeitabhängig (beim Speed: zusätzlich geschwindigkeitsabhängig) über Einstellung an Justierschraube.
Ölbeförderung: Schwerkraft; über sorgfältig zu verlegende Schläuche.
Reichweite Tank 150 ccm (zu ca. 80% gefüllt): ca. 10.000 – 12.000 km – 1 l Öl reicht für ca. 100.000 km
Minus: Preis.
Plus: Relativ einfacher Aufbau (nicht bei Speed), beliebig platzierbare Justierschraube, temperaturunabhängig, 3 Jahre Garantie
Öl: z.B. teilsynthetisches Kettensägenöl: 3 Euro pro Liter (40.000km).
Preis: 219 Euro bzw. 259 Euro.
Details mit Einbaubeispielen: http://www.cls200.de/
Im Forum vertreten: Sporadisch.

Kettenöler.com – Typ Touring:
Elektrisch. Steuerung über Magnetventil, welches (je nach Anschlussvariante) den Durchfluß nur bei eingeschalteter Zündung bzw. Licht freigibt. Es folgt ein Drosselventil, womit die Durchflußmenge reguliert wird – i. d. R. ein Tropfen alle 70 bis 80 Sekunden.
Öldosierung: Zeitabhängig über Einstellung an Justierschraube.
Ölbeförderung: Schwerkraft; über sorgfältig zu verlegende Schläuche.
Reichweite Standardtank 120 ccm: bis 5.000 km.
Minus: Temperaturabhängig.
Plus: Relativ einfacher Aufbau, beliebig positionierbare Justierschraube.
Öl: z. B. teilsynthetisches Kettensägenöl: 3 Euro pro Liter (40.000km).
Preis: 98,50 Euro.
Details und Einbaubeispiel: www.kettenoeler.com
Im Forum vertreten: Heimatforum.

McCoi:
Elektronisch. High-Tech, welcher allerdings selbst zusammengelötet werden muss – also eher etwas für Bastler mit Elektronik-Grundahnung.
Öldosierung: Vollautomatisch; wegstrecken- und wetterberücksichtigend.
Ölbeförderung: Pumpe.
Reichweite Standardtank 150 ccm: ca. 7.000 km.
Minus: Selbst zu löten.
Plus: Wegstreckenabhängiges Ölen, temperaturunabhängig, wetterunabhängig, kein Nachjustieren, preisgünstig.
Öl: z.B. teilsynthetisches Kettensägenöl: 3 Euro pro Liter (40.000km)
Preis: 100 bis 110 Euro.
Details und Einbaubeispiele: http://www.mccoi.de
Im Forum vertreten: Regelmäßig.
Weitere Benutzer: andY, ryna, Chaot, nairolf, Paladin, Sandy, bikermichael

Rehoiler:
Elektronisch. Muss selber zusammengebaut werden – also eher etwas für Bastler mit Elektronik-Grundahnung.
Öldosierung: Vollautomatisch; wegstreckenberücksichtigend; wetterberücksichtigend durch Schalterbetätigung des Nutzers
Ölbeförderung: Pumpe.
Reichweite Standardtank 100 ccm: ca. 5.000 km.
Minus: Selbst zu löten, Ölauslass muss selber gebaut werden, Kabel müssen selbst besorgt werden
Plus: Wegstreckenabhängiges Ölen, temperaturunabhängig, wetterunabhängig, kein nachjustieren, sehr preisgünstig.
Öl: z.B. teilsynthetisches Kettensägenöl: 3 Euro pro Liter (40.000km)
Preis: 60 – 70 Euro.
Details und Einbaubeispiele: http://www.rehtronik.de/
Im Forum vertreten: Sporadisch.
Weitere Benutzer: Strassenpirat, Falti90, Duplex (mit Eigenbau-Doppel- („Duplex“-) Kanüle am Ritzel), SKrull

Scottoiler:
Der Klassiker. Erster Öler auf dem Markt. Mechanisch, unterdruckgesteuert (kleine Leitung von der Unterdruckleitung des Benzinhahns/Vergasers übernimmt die AN/AUS-Steuerung).
Öldosierung: Zeitabhängig über Einstellung am Behälter.
Ölbeförderung: Schwerkraft; über sorgfältig zu verlegende Schläuche.
Reichweite Standardtank 50 ccm: ca. 1.000 km.
Minus: Manuelle Einstellung muß temperaturabhängig öfter nachjustiert werden, Justierschraube am Gerät, Endstück geht gelegentlich verloren, Durchflußregler verstopft, umständliche Erstbefüllung.
Plus: Einfacher Aufbau.
Öl: Scottoil: 10,90 Euro pro 500ml (8.000km), teilsynthetisches Kettensägenöl: 3 Euro pro Liter (20.000km).
Preis: 129,90 Euro.
Details: www.scottoiler.de
Im Forum vertreten: Nein.
Einbaubeispiele: http://www.1200bandit.de/
Weitere Benutzer: andY

Schmierung bei Regen:
Die Dosierung der Ölmenge wird erhöht – manuell oder automatisch – je nach System. Dann findet auch permanent die optimale Schmierung statt – im Gegensatz zu herkömmlichem Kettenfett.

Öl und Viskosität:
Variiert von speziellem Herstelleröl bis hin zu (gebrauchtem) Motorenöl. Erfahrungsgemäß kommen alle Öler mit teilsynthetischem Kettensägenhaftöl sehr gut zurecht. Diese äußerst preiswerte Alternative findet man z. B. bei www.stihl.de >Ihr Fachhändler>Händlersuche. Aber Achtung: biologisches (abbaubares) Kettensägenhaftöl ist absolut ungeeignet und kann im System verharzen!

TÜV:
Scotty / CLS / Kettenöler haben TÜV, spielt aber wohl nicht die große Rolle. Hat noch keiner deshalb die BE verloren… nichts muss eingetragen werden (Aussage TÜV BY und B-W).

Wird die Felge versifft?
Ja – allerdings bei optimaler Einstellung („so viel wie nötig, so wenig wie möglich“) minimal, und das Öl lässt sich mit einem Papiertuch (im Gegensatz zu Kettenfett) einfach abwischen.

Wird der Boden versifft?
Nein, nur bei Überdosierung tropft’s aus dem Ritzelgehäuse oder vom Kettenschutz – oder natürlich bei Undichtigkeiten im System.

Montage vorne am Ritzel oder am Kettenrad?
Typischerweise geben die Hersteller die Montage am Kettenrad hinten an; dabei erfolgt die Ölung der Kette von der Innenseite.
Pro Ritzel: unauffälliger, kürzere Wege.
Kontra: Höhere Geschwindigkeit, wird mehr abgeschleudert.

Nachteile:
… entstehen höchstens bei zu schwacher Dosierung oder Defekten wie Elektronikstörung oder Verstopfung oder Undichtigkeiten.

Ich glaube Euch hier nicht, in so einem Forum könnt Ihr ja sonstwas schreiben – welcher ist denn nun der beste?
Hier ein Link zum Kettenöler-Test der Zeitschrift „Motorrad News“!

Der User pioter hat im Banditforum eine Eigenbaulösung gepostet, die ich für eindeutig FACTS-zur-Bandit-würdig befunden habe und Euch nun inklusive seiner Fotodokumentation zeigen möchte:

Mein Kettenöler – Eigenbau für ca. 30€

Es handelt sich hierbei um eine Fotoshow die nur aufzeigen soll welche Teile verwendet wurden.

Manche habe ich verbaut wie abgebildet manche durch andere ersetzt.

pioter, www.banditforum.de
Die elektronische Steuerung (Zeitsteuerung) so wie der elektromagnetischer Benzinhahn waren am teuersten, je ca. 10 €, die Seifendose als Gehäuse kam nicht zum Einsatz. – pioter, www.banditforum.de
Auch hier habe ich nur den Ölbehälter (ca.0.75 €) so wie ein 6/3mm Schlauch (ca.1 €) gekauft. Die Halterung wurde selbst aus Edelstahl und Alu angefertigt. Alle Kupplungen, Nadelventil, Kupferrohr, Schrumpfschläuche (verschiedene Stärken), Kabelbinder-Klebepads usw. bekam ich von meinen Arbeitskollegen bzw. habe von „abgewrackten“ Maschinen abgebaut. Habe Glück. Bei uns in der Firma besteht die Möglichkeit nach Absprache solche Sachen kostenlos zu bekommen. – pioter, www.banditforum.de
Hier die geänderte Steuerung. Ein Poti wurde abgebaut und der zweite als Trimmpoti „missbraucht“. – pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
Der abgebaute Poti wurde in ein Medikamentenmessbecher verbaut und mit Urethan verkapselt (Silikon tuts auch).
Die Buchsen und Stecker stammen vom Computer oder Maschinen Sensoren die entsprechend angepasst und im neuen Gehäuse (Zigarettenbox für 1€ ) verklebt wurden. Alles wurde so verbaut, daß alle Leitungen (auch innen) nicht gelötet sondern nur aufgesteckt sind. Oben auf der Box habe ich ein Loch gebohrt und mit einem Stopfen versehen um auch später den 2 Poti stellen zu können. – pioter, www.banditforum.de
Über diesen Schlauch wird mittels einer Ölspritzkanne das Öl nachgefühlt. – pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
Der 2-TE Poti wird noch mit ein einem Schild versehen um die verschiedenen Stellungen für kalt, warm oder Regenfahrten zu markieren. Diese muss ich aber erst ermitteln. – pioter, www.banditforum.de
Die Farbe des Minus-Anschlusses am Elektroventil wird noch geändert – also bitte nicht schimpfen. – pioter, www.banditforum.de
Der Airtec-Ventil kam hier nicht zum Enisatz sondern ein 6mm von Legris. – pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
– pioter, www.banditforum.de
Bis hierher sollte alles klar sein. Die „Kanülen“ wurden aus Kunststoff-Röhrchen, die sehr oft Öl-Spraydosen beigefügt sind gemacht und mit Schrumpfschlauch verstärkt. Ich denke, daß diese ruhig das Kettenrad berühren dürfen. Alles was zu viel ist wird von alleine abgeschliffen. – pioter, www.banditforum.de

Mir ist klar, daß es hier viele Lösungen gibt und wie Theo meint, daß jede Schraube schon mehrmals beschrieben wurde aber nur so läuft hier alles weiter. Das ist meine Meinung. Und noch etwas. Der Preis ist nur etwa 30€ angegeben da ich keine Ahnung habe was die restlichen Teile kosten bzw. was man so alleine besorgen kann.

Gruß pioter

pioter, www.banditforum.de

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